Ein Sprachmagier ohne Tricks und doppelte Böden

27.10.2006 / LOKALAUSGABE / DINSLAKEN

LESUNG. Christoph Ransmayr stellt am 9. November beim Verein R(h)ein-Kultur-Welt sein Buch "Der fliegende Berg" im Preußen-Museum vor. KREIS WESEL. Christoph Ransmayr hat einen neuen Roman vorgelegt und aus dem liest er, von der Voerder Buchhandlung Daniel & Haibach eingeladen, am Donnerstag, 9. November, ab 20 Uhr im Weseler Preußen-Museum in der Reihe "Wagnis und Weg" des Vereins R(h)ein-Kultur-Welt.

Zugegeben, nicht die ganze Welt hat auf dieses Buch gewartet, aber alle, die sich noch das Gefühl dafür bewahrt haben, dass Sprache viel mehr ist und viel mehr kann als das globalisierte Kauderwelsch und die unzähligen Jargons von ebenso vielen selbst ernannten Welterklärern, die einem sonst in den Ohren dröhnen. Ransmayr ist ein Sprachmagier, aber einer, dessen Magie sich nicht aus Tricks und doppelten Böden speist, sondern aus der präzisen und souveränen Beherrschung seines Handwerkszeugs.

 Und so wird "Der fliegende Berg" für alle, die bereit sind, sich auf Ransmayrs Sprachkunst einzulassen, zu einem Lese-Abenteuer, an dessen Ende die Leser mehr als eine Ahnung haben von dem, was die Welt zusammenhält.

Autor Christoph Ransmayr liefert nicht nur "gepresste englische Luft"

10.11.2006 / LOKALAUSGABE / WESEL

WESEL. Trotz der Gedenk-Veranstaltungen zur Reichspogromnacht erfreute sich das Preußen-Museum einer ausverkauften Lesung. Der österreichische Autor Christoph Ransmayr las am Donnerstag einige Abschnitte aus "Der fliegende Berg" vor, seinem neuesten Buch.

"Am besten ist, so wenig wie möglich über ein Buch zu wissen", meint der Autor. Sein Roman handelt von zwei Brüdern, wovon der eine während einer Bergbesteigung in Tibet erst seinem Bruder das Leben rettet, danach aber selbst stirbt. In der "Ich-Form" arbeitet der überlebende Bruder die Erlebnisse auf und schildert gemeinsam Erlebtes. Ein Teil des Romans erzählt von der Kindheit der beiden irischen Brüder und über den Vater, dem als vermummter IRA-Kämpfer während einer Parade das Preisschild an der Mütze herabhängt. Über den in nationaler Uniform beerdigten Vater, auf dessen Grabstein schlicht "The Gentleman" steht.

Der bekannte österreichische Autor ist selbst mehrere Monate in Tibet gewesen und hat die Natur und die dortigen Bewohner kennengelernt. "Ransmayr ist der beste deutschsprachige Autor, den wir haben", schwärmte eine Buchhändlerin aus Oberhausen nach der Lesung. Fast zwei Stunden hatte er mit guter Betonung, lauten und leisen Worten rund 50 Zuhörern Appetit auf sein neuestes Werk gemacht. Der in den 90er Jahren mit acht internationalen Preisen ausgezeichnete Schriftsteller hat seinen eigenen Stil, er schreibt nicht in medial gebräuchlichen Kurzformen. Ein Bildschirm ist bei ihm ein "Flüssigkristallschirm" und Sauerstoffflaschen sind "gepresste englische Luft". (sts)