Rätselhaftes Universum


21.05.2006 / LOKALAUSGABE / KLEVE
KUNST / Der diesjährige Internationale Museumstag öffnete Räume - eigene und fremde. Museum Kurhaus Kleve, Schloss Moyland und die Tichelpark-Kinos lockten mit besonderen Angeboten.

KLEVE. Internationaler Museumstag? - Komm, wir gehn ins Kino! Der alte Werbespruch der Lichtspieltheater hatte gestern seine besondere Berechtigung. Gab es doch in den Tichelpark-Kinos eine Premiere in mehrfacher Hinsicht: einmal die erste Zusammenarbeit von Museum Schloss Moyland und Kinobetreiber, und das dann auch noch mit einer bundesweit einmaligen Vorpremiere: dem Film "Drawing Restraint 9" von Matthew Barney, der in Deutschland am 8. Juni startet.

Bezüge zwischen Barney und Beuys "Wenn ich schon mal ins Kino gehe, dann wenigstens richtig", so der Kommentar einer Besucherin, der als zweifacher Mutter ansonsten wenig Zeit für ihre cineastische Leidenschaft bleibe. Die gut 40 Zuschauer erwartete zunächst ein ebenso kenntnisreicher wie hilfreicher Vortrag von Dr. Bettina Paust, der Leiterin des Joseph-Beuys-Archivs. "Barney schafft ein eigenes, rätselhaftes, bizarres Universum", so die Initiatorin der Filmmatinee. Paust verwies auf die besonderen Bezüge zwischen Barney und Beuys, vor allem auf das beiden gemeinsame Plädoyer für die Rückbesinnung des Menschen auf seine archaischen Wurzeln.

Galt der Barney-Blick dem fernen Japan, so beschäftigte sich das Museum Kurhaus in Kleve zur gleichen Zeit mit dem Blick auf das Eigene und das Andere. "Schule - Kunst - Museum", unter diesem Obertitel hatten sich vier Klever Schulen und ihre niederländischen Partnerschulen Lothar Baumgartens "Imago Mundi"-Projekt genähert. Und eigene Kreationen geschaffen, die nun am Museumstag zu sehen waren. Zeitweise waren einige Säle regelrecht von Besuchern überfüllt. Denen wurde allerdings auch einiges geboten. Zum Beispiel: "Erdäpfel aus der Neuen Welt entdecken die Alte Welt". Das war ein Kreis aus Kartoffeln, die als Schiffe dekoriert waren und auf dem Satz "Wenn die Kartoffeln gut sind, kaufe ich sie" herumsegelten. "Herrlich!", so der spontane Ausruf eines geübten Museumsgängers. Oder Wundervögel aus Pappe, Tüll und Kronkorken, die zur Reise um die Welt antreten. Ein Vogelmobilé mit integriertem Schattenriss, wobei ein Vogel pikanterweise aus einer leeren Schachtel Chicken McNuggets gebastelt war. Mappen, Folianten mit Skizzen und Zeichnungen. Und Fotos, die das Fremde im Eigenen zeigten: "Imago Clivensis". Eine Serie daraus hätte beziehungsreicher nicht sein können: "Auf der Butter" versammelte Schwarz/Weiß-Bilder aus dem einst so stolzen Klever Margarinewerk. Untertitel nach Beuys: "Fett weg".