Launige Worte über den "inneren Mut"


12.02.2006 / LOKALAUSGABE / DINSLAKEN
VORTRAG / Wissenschaftsforscher Hans Peter Fischer sprach über couragierte Nobelpreisträger.

VOERDE. Mutige Forscher standen im Zentrum der Auftaktsveranstaltung zur R(h)ein-Kultur-Welt-Reihe "Wagnis und Weg". Nicht wagemutige oder waghalsige Abenteurer, sondern Wissenschaftler von Curie bis Einstein, die all ihren Mut zusammen nehmen mussten, um zuvor Ungedachtes laut auszusprechen. Hans Peter Fischer, Physiker, Biologe und Wissenschaftshistoriker an der Universität Konstanz, sprach am Freitagabend vor knapp 50 Zuhörern in der Buchhandlung Daniel & Haibach über diesen "inneren Mut". Übersprudelnd, mit launigen Worten und manch launiger These.

Mut äußert sich so unterschiedlich wie die Situationen, in denen er gefragt ist. Im Inneren des Menschen wird er zur Gewissensfrage. Der von Fischer verehrte Heisenberg verglich sich selbst mit Columbus. Er gab die Sicherheit des auf etabliertem Wissen gebauten Hafens auf und wagte sich zu den Ufern neuer Erkenntnisse, neuen Denkens und neuer Methodik. Er riskierte den Weg, weil er die Risse im alten Hafengebäude nicht ignorieren konnte. Ob er scheitern würde, wusste er nicht. Eine existenzielle Entscheidung. Schiffbruch hätte für alle Forscher und Forscherinnen des Abends Lächerlichkeit und Ende der Karriere bedeutet.

Hinterfragen, handeln Folgerungen ziehen
Es gibt vielerlei Mut. Wie den Mut, Nein zu sagen. Der blutjunge Heisenberg widerlegte den großen Aage Niels Bohr im Hörsaal vor 500 Menschen. Der Beginn einer fruchtbaren Zusammenarbeit.


Der Mut, zu hinterfragen. Darwin stellte die Schöpfungsgeschichte in Frage, brach viktorianische Tabus. Die Evolutionstheorie wird noch heute von fundamentalistischen Amerikanern bekämpft.

Der Mut zu handeln. Pasteur ist heute wegen gefälschter Versuche umstritten. Auch als er den an Tollwut erkrankten Jungen impfte, probierte er sein Glück.

Der Mut, Folgerungen zu ziehen. Lise Meitner war Otto Hahn weit überlegen, wurde als Frau unterdrückt. Als Hahn der nach Schweden immigrierten Jüdin Weihnachten 1938 ihn verblüffende Ergebnisse schickte, verstand sie die Konsequenzen: es war die Bauanleitung zur Atombombe.

Der Mut zur Kommunikation. Watson und Crick verspielten Stipendium und Doktorarbeit um "herumzulabern". Das Ergebnis der interdisziplinären Kommunikation im Labor war die Doppelhelix. Sie erhielten den Nobelpreis.

Der Mut, Gleichgültigkeit zu überwinden. Eine Anregung an die Hörer: Die Welt besteht im Wesentlichen aus Dunkler Energie und Masse. Warum lösen solche Erkenntnisse keine Erschütterung mehr aus? Wie abhängig ist die Forschung vom Marketing? Fischer gab zu Beginn der Reihe "Wagnis und Weg" hierzu Denkanstöße. (bes)